Noch versprechen selbständig fahrende Autos vor allem mehr Komfort. Doch auch dem Klima können autonome Fahrzeuge helfen. Ihr größter Vorteil: Sie fahren sparsamer.

Im täglichen Stop-and-go-Verkehr in überfüllten Städten ist die Versuchung groß. Sobald sich vor dem eigenen Auto eine Lücke auftut, beschleunigt man, fährt ein Stückchen vor und bremst gleich wieder ab. Wenn beim Anfahren auch noch der Drehzahlmesser in die Höhe schnellt, kann man sich leicht denken: Dem Klima tut das auf die Dauer nicht gut. Am besten wäre natürlich der Umstieg auf Bus oder Fahrrad. Doch wenn das keine Alternative ist, kann das autonome Fahren ein wichtiger Baustein sein, damit im Verkehr weniger Treibhausgase entstehen.

Schon bis 2030 könnten autonome Fahrzeuge den CO2-Ausstoß des Transportsektors um vier bis sechs Prozent verringern. Das zeigt eine Studie für das Bundesverkehrsministerium. Mit der voranschreitenden Verbreitung autonomer Autos wären bis 2050 sogar bis zu elf Prozent weniger Treibhausgase möglich. Das entspräche 11,5 Millionen Tonnen an eingespartem CO2. Möglich wird das in erster Linie dadurch, dass die autonomen Fahrzeuge der Zukunft den Verkehr um sie herum genauer einschätzen können und konsequenter auf das Energiesparen achten.

Damit Fahrzeuge autonom fahren können, werden sie mit einer Vielzahl von Sensoren und Elektronik ausgestattet. Nur so können sie ihre Umgebung erkennen und selbständig blitzschnell auf neue Situationen reagieren. Diese Fähigkeiten helfen auch beim Spritsparen.

Automatisiertes Fahren benötigt eine Vielzahl einzelner Technologien und vollzieht sich stufenweise. Für das Energiesparen ist besonders die automatische Geschwindigkeitsregelung interessant. Im Stadtverkehr können PKW durch verbesserte Tempomaten laut der Studie für das Verkehrsministerium selbst im flüssigen Verkehr zehn Prozent Energie sparen, zu Stop-and-go-Zeiten ist es sogar ein Drittel.

Die Sparmöglichkeiten werden mit fortschreitender Automatisierung immer ausgefeilter und erreichen ihren Höhepunkt, wenn die Fahrzeugentwicklung auf den sogenannten Stufen 4 und 5 der Automatisierung angekommen ist. Bei Stufe 4 spricht man zwar vom „vollautomatisierten Fahren“, die Autos kommen allerdings nur in ausgewählten Situationen ohne Fahrer aus. Die Studienautoren rechnen damit, dass frühestens ab 2025 die ersten Pkw der Oberklasse mit diesen teuren Systemen ausgestattet werden. Erst das „autonome Fahren“ der Stufe 5, mit dem ab 2035 zu rechnen ist, wird menschliches Eingreifen auf allen Straßen, bei jedem Wetter und unter allen Verkehrsbedingungen nicht mehr notwendig sein.

Die Forscher machen jedoch auch darauf aufmerksam, dass automatisiertes Fahren in ein ganzheitliches Verkehrskonzept eingebunden werden muss. Ansonsten könnte es auch zu negativen Folgen für das Klima kommen. Das würde vor allem dann passieren, wenn eigene Fahrzeuge durch die hinzugewonnene Autonomie noch attraktiver werden als der öffentliche Nahverkehr und andere umweltfreundliche Verkehrsformen. Es ist schließlich verlockend, sich im eigenen Auto zurückzulehnen und einen Film über das Bord-Entertainment-System zu schauen oder in Ruhe eine Präsentation für die Arbeit zu erstellen, statt in einem möglicherweise überfüllten, lauten Bus zu stehen.

Eine stärkere Nachfrage nach geteilten Mobilitätsdienstleistungen bietet deshalb die Möglichkeit, den Treibhausgasausstoß noch weiter zu senken. Zu den klimafreundlichen neuen Diensten zählt vor allem das sogenannte Ridesharing, bei dem sich mehrere Personen ein Fahrzeug teilen. Der Beitrag des autonomen Fahrens hierzu wäre, dass solche Mobilitätsdienste ohne einen Fahrer günstiger angeboten werden können. Wenn die Kunden das geteilte Fahren stärker nutzten, würde sich das deutlich in den CO2-Werten zeigen. Bis 2050 würde der automatisierte Verkehr dann elf Prozent weniger Treibhausgase ausstoßen, schreiben die Gutachter. Setzen die Bürger dagegen weiterhin eher auf eigene Fahrzeuge, so wären es nur 7,6 Prozent weniger CO2.

Weitere Infos:
– Studie des Bundesverkehrsministeriums zum autonomen und vernetzten Fahren
Verkehr in Zahlen
– Die fünf Stufen des automatisierten Fahrens