„Glückwunsch: Im vergangenen Monat haben Sie 59 Prozent Ihres Stromverbrauchs mit eigenem Ökostrom gedeckt.“ Es sind persönliche Erfahrungen wie diese, welche die Energiewende im Alltag anschaulich werden lassen. Wer eine eigene Photovoltaik-Anlage hat, kann sich von modernen Energiemanagement- Systemen den Autonomiegrad seines Haushalts anzeigen lassen, also den Teil seines gesamten Stromverbrauchs, der aus der Produktion der PV-Anlage gespeist wurde. Doch moderne Visualisierungsmethoden können die Energiewende noch auf anderen Wegen erlebbar machen. Wir stellen die unterschiedlichen Arten vor, die eigene Beiträge zur Energiewende sichtbar werden lassen:

„Ihr Stromverbrauch ist um 2 Prozent gestiegen/gesunken.“

Messdaten aus der Vergangenheit haben eine wichtige Funktion: Sie machen uns erst bewusst, wie viel Energie wir überhaupt verbrauchen. Und nur das, was einem bewusst ist, kann man auch ändern. Wichtig ist das etwa beim Energieverbrauch. Bisher erfahren die meisten Stromkunden nur einmal im Jahr mit der Abrechnung, wie sich ihr Verbrauch entwickelt hat. Mit digitaler Technik kann der Stromverbrauch monatlich oder sogar täglich angezeigt werden. So werden auch Verhaltensänderungen direkt erlebbar. Wird beispielsweise der alte Kühlschrank gegen ein effizientes neues Modell ausgetauscht, kann man schon im nächsten Monat nachvollziehen, dass der Stromverbrauch niedriger geworden ist. Visualisierung kann deshalb ein Beitrag zum Energiesparen sein.

„Sie waren letzten Monat Energiespar-Champion!“

Werden Energieflüsse für viele Menschen erlebbar, eröffnet sich noch eine weitere spannende Möglichkeit: Haushalte können sich zu einer Community zusammenschließen und sich untereinander vergleichen. Solch ein soziales Energiemanagement hat das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) in Kassel erprobt. Etwa 30 Haushalte hatten sich dafür zu einer Gemeinschaft angeschlossen. Die Teilnehmer konnten sich ihre Energieverbräuche mit einer hohen zeitlichen Auflösung anzeigen lassen. Zusätzlich erhielten besonders sparsame Haushalte Punkte, die miteinander verglichen werden konnten. „Viele Verbraucher werden durch solche spielerischen Rankings motiviert, etwas für Energieeinsparung zu tun“, berichtet Wissenschaftler David Nestle vom IEE.

„Ihre Photovoltaik-Anlage erzeugt im Moment 2,7 Kilowatt Strom.“

Durch die Digitalisierung können Messdaten sogar in Echtzeit angezeigt werden. In Zeiten, in denen die eigenen PV-Module nahezu die volle Leistung bereitstellen, ist es für die Verbraucher vorteilhaft, gezielt Elektrogeräte zu betreiben, die sonst zu anderen Zeiten laufen würden. Ein Beispiel dafür ist neben der Waschmaschine auch der Geschirrspüler, weil für das Aufheizen des Wassers jeweils viel Strom benötigt wird. Durch die zeitliche Verlagerung des Verbrauchs können die Nutzer dazu beitragen, das Stromnetz zu entlasten.

„Morgen zwischen 14 und 16 Uhr können Sie steuerbare Flexibilität bereitstellen.“

Eine Entlastung für das Stromnetz wird vor allem dann möglich, wenn auch die Netzbetreiber in die Informationsverarbeitung eingebunden werden. Sie haben einen Überblick über größere Erzeuger und Verbraucher von Strom, nutzen Wetterprognosen, um die Stromproduktion aus Wind- und Solaranlagen abzuschätzen, und erstellen daraus sogenannte Fahrpläne für das Stromnetz. Auf dieser Grundlage können die Netzbetreiber den Teilnehmern regionaler Märkte Prognosen darüber geben, wann sie am nächsten Tag das Stromnetz unterstützen können. So kann es dem Netz helfen, in bestimmten Stunden gezielt eine Waschmaschine zu betreiben oder das Elektroauto zu laden.

Hilfreich können aber auch sogenannte Sperrzeiten sein, in denen an einigen Stunden im Jahr bestimmte elektrische Verbraucher nicht betrieben werden sollen. Für Wärmepumpen ist das seit jeher Standard. „In manchen Industrieländern sind Sperrzeiten auch für weitere Geräte üblich“, erzählt David Nestle vom IEE. Eine Kombination von Sperrzeiten mit niedrigeren Stromtarifen für die teilnehmenden Verbraucher oder Punkte wie im Beispiel mit dem Energiespar-Wettbewerb könnte in Zukunft vielleicht auch in Deutschland interessant werden.

Weitere Infos
Social Energy Management beim Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE)
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– Youtube-Video zu intelligenten Stromzählern
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