Wer ein E-Auto kaufen möchte, wird es meistens daheim oder beim Arbeitgeber laden. Öffentlich zugängliche Lademöglichkeiten gibt es immer häufiger vor Supermärkten, in Parkhäusern, auf Autobahn-Raststätten und an Straßen innerhalb von Ortschaften. Doch welche Ladetechnik gibt es insbesondere für zu Hause und worauf sollte man vor der Installation achten?

Für den Heimgebrauch empfiehlt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen den Einbau einer speziellen Wallbox. Dabei handelt es sich um eine kleinere Version der meist freistehenden öffentlichen Ladesäulen, die an der Wand der eigenen Garage oder der Hauswand angebracht werden kann. Die Kosten liegen je nach Ausführung bei 500 bis 2.500 Euro, für die Installation der Kabelverbindung vom Hauptverteiler kommen laut Verbraucherzentrale noch einmal 300 bis 1.000 Euro hinzu.

„Über Wallboxen geht das Laden eines Elektroautos schneller und es ist bei regelmäßiger Benutzung sicherer als das Aufladen über eine haushaltsübliche Schuko-Steckdose“, sagt Thomas Deeg, Vertriebsleiter bei den Stadtwerken Schwäbisch Hall. „Beim mehrstündigen Laden von Elektrofahrzeugen an einer normalen Steckdose könnte diese thermisch überlasten und sich verformen.“ Mit einer von einem Elektrofachbetrieb eingebauten Wallbox sind E-Auto-Fahrer also auf der sicheren Seite.

Schneller ist das Laden mit einer Wallbox, weil die Ladeleistung an einer gewöhnlichen Steckdose auf etwa 2,3 Kilowatt (kW) beschränkt ist. Wallboxen dagegen verfügen je nach Modell über Leistungen zwischen 3,7 und 22 Kilowatt. Der ADAC empfiehlt Modelle mit 11 kW. Sie sind nicht nur preiswerter als 22-kW-Boxen. Ab Ladeleistungen über 12 kW ist für die Installation eine Genehmigung des örtlichen Netzbetreibers notwendig, wie die Stadtwerke Schwäbisch Hall erklären. Ladeeinrichtungen mit einer geringeren Leistung müssen dagegen beim Verteilnetzbetreiber lediglich angemeldet werden.

Wallboxen mit Leistungen unter 11 kW sind dann zu empfehlen, wenn die Elektroinstallation des Hauses nur niedrigere Werte zulässt oder das eigene Elektroauto nur mit geringerer Leistung geladen werden kann. Laut ADAC sollte die Wallbox außerdem dreiphasiges Laden ermöglichen. Auf der Website des Automobilclubs findet sich ein Test mit Benotungen unterschiedlicher Modelle.

Bei Mietgaragen müssen der Vermieter oder die Wohneigentümergemeinschaft zustimmen, bevor man eine Lademöglichkeit installiert. Die Bundesregierung will dies vereinfachen, die nötige Gesetzesänderung kann allerdings noch dauern. Außerdem sollte vorab geklärt werden, ob der Nutzer eine Pflicht zum Rückbau der Lademöglichkeit hat, falls er den Mietvertrag kündigt oder seine Wohnung verkauft.

Für Hauseigentümer wird die Nutzung von Wallbox und Elektroauto noch attraktiver, wenn sie eine eigene Photovoltaik-Anlage betreiben und ihr Fahrzeug tagsüber mit dem eigenen Solarstrom laden können. So lässt sich ein Teil des Strombezugs vom Energieversorger sparen. Das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) hat zu diesem Zweck ein Heim-Energie-Management-System entwickelt. Das System prognostiziert die Sonneneinstrahlung für einen Zeitraum von etwa 20 Stunden. Zudem berechnet ein lernfähiger Algorithmus für jede Viertelstunde den zukünftigen Verbrauch. Aus allen Daten lässt sich ermitteln, wieviel Solarstrom dem Elektroauto in nächster Zeit zur Verfügung steht. »Der Strom geht erst in den Haushalt. Nicht verbrauchte Energie speichert die Autobatterie. Ist dann noch Strom übrig, wird dieser in das Netz eingespeist«, erklärt ISE-Wissenschaftler Dominik Noeren.

Einige Energieversorger bieten außerdem die Möglichkeit, mit dem sogenannten gesteuerten Laden des eigenen Elektroautos das Stromnetz zu unterstützen. Dabei wird das E-Auto immer genau dann geladen, wenn viel Solar- und Windstrom im Netz sind. Im Projekt C/sells wird erforscht, wie Fahrer von Elektroautos die Flexibilität ihrer Batterie für das Stromnetz auf lokalen Flexibilitätsmärkten vermarkten können. In Zukunft wird es außerdem möglich sein, Strom von der E-Autobatterie in das Stromnetz zurückzuspeisen oder sein eigenes Haus damit zu versorgen. Seit 2019 bietet Mitsubishi für seine Fahrzeuge Wallboxen zum bidirektionalen Laden an. Für die Fahrzeuge des japanischen Autokonzerns sind allerdings Stecker mit dem CHAdeMO-Standard nötig, der von europäischen Autoherstellern nicht genutzt wird. In den nächsten Jahren werden Autobauer aber voraussichtlich auch bidrektionales Laden mit den europäischen Stecker-Standards Typ 2 und Typ 1 ermöglichen.

Und wenn man in den Urlaub oder über ein langes Wochenende wegfahren möchte? Dann können E-Auto-
Fahrer auf ein wachsendes Netz von öffentlichen Ladestationen zurückgreifen. Karten mit Verzeichnissen
von Ladesäulen gibt es in verschiedenen Apps und online etwa bei der Bundesnetzagentur, dem ADAC, Plugsurfing, Goingelectric sowie Lemnet.

Weitere Informationen:
Elektroautos zu Hause laden – Tipps der Verbraucherzentrale NRW
Informationen zur Kombination von Photovoltaik-Anlage und Elektro-Auto
– Forschungsprojekt zum Laden von E-Autos in Plusenergiehäusern
Wallbox-Test des ADAC
– Fragen und Antworten zum E-Auto-Laden des ADAC
– Projekt Fellbach ZEROplus
Bidirektionales Laden
Ladesäulenregister mit Karte der Bundesnetzagentur
Ladesäulenkarte des ADAC
Ladesäulenkarte von Plugsurfing
Ladesäulenkarte von Lemnet