An der Effektivität von Weltklimakonferenzen wie jüngst in Katowice gibt es immer wieder Zweifel. Wir erklären, was die Klimadiplomatie bisher erreicht hat.

Was ist der Zweck von Klimakonferenzen?
Gegenüber der vorindustriellen Zeit ist die globale Durchschnittstemperatur bereits um circa ein Grad gestiegen. Ab einer Steigerung um 1,5 Grad rechnen Wissenschaftler mit einer spürbaren Zunahme von Extremwetterereignissen und negativen Auswirkungen beispielsweise auf die Landwirtschaft. Klimakonferenzen sollen in erster Linie möglichst viele Verursacher des Klimawandels dazu verpflichten, ihren Ausstoß von Treibhausgasen zu reduzieren und die Lasten der Treibhausgas-Vermeidung gerecht unter den Verursachern verteilen. Ein wichtiger Grund: Wollten einzelne Staaten unabgestimmt Klimaschutz betreiben, könnte es beispielsweise zu Protesten heimischer Unternehmen kommen, weil sie höhere Kosten tragen müssten und damit Nachteile gegenüber Firmen aus Ländern hätten, die sich nicht am Klimaschutz beteiligen. Dieses von Wissenschaftlern als „Kollektivgut-Dilemma“ bezeichnete Problem tritt bei allen globalen Umweltproblemen auf – beispielsweise auch beim Meeresschutz.

Ein zweites wichtiges Ziel nach der Vermeidung von Treibhausgasen ist die Anpassung an die nicht mehr abwendbaren Folgen des Klimawandels. Dazu müssen die Konferenzen Klarheit darüber schaffen, welche Länder am stärksten unter Fluten oder Dürren leiden. Staaten, die viele Treibhausgase ausstoßen, sollen betroffenen Nationen dann Maßnahmen finanzieren, mit denen sie sich an die Folgen des Klimawandels anpassen, beispielsweise den Bau von Deichen oder neue Bewirtschaftungsmethoden für Landwirte.

Was wurde bisher erreicht?
In der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen von 1992 haben sich die Vertragsstaaten das – nicht verbindliche – Ziel gesetzt, die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre auf einem Level zu stabilisieren, das gefährliche, vom Menschen verursachte Störungen des Klimasystems ausschließen soll. Die bekannten Weltklimakonferenzen sind Treffen der Vertragsstaaten der Klimarahmenkonvention und werden deshalb auch mit COP abgekürzt (Conference of the Parties). Das beim Gipfel in Kyoto 1997 beschlossene Protokoll verpflichtete die Unterzeichner erstmals, ihren Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren. Es galt allerdings nur für einige Industriestaaten. Das Nachfolgeabkommen von Paris aus dem Jahr 2015 gilt auch für Entwicklungsländer und Schwellenländer wie China. Darin verpflichten sich die 196 Vertragsstaaten sowie die EU, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen, möglichst sogar auf 1,5 Grad.

In Katowice wurden im Dezember 2018 wichtige Details beschlossen, um das Pariser Abkommen umsetzen zu können. Vereinbart wurden vor allem Regeln, nach denen die Staaten ab 2024 offenlegen müssen, was sie für den Klimaschutz tun möchten. So lässt sich zum ersten Mal klar benennen, welche Staaten sich in Sachen Klimaschutz anstrengen und welche nicht.

Genügt das bisher Vereinbarte?
Das Pariser Abkommen setzt auf das Prinzip der Freiwilligkeit: Alle Staaten sollen selbst bestimmen, welche Ziele sie sich zum Klimaschutz setzen. Die bislang zugesagten Treibhausgassenkungen würden jedoch laut dem Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie voraussichtlich zu einer Erwärmung von drei bis vier Grad führen. Außerdem steigen die Emissionen weiterhin, bis 2030 müssten sie aber in etwa halbiert werden, schrieb der im Deutschen häufig Weltklimarat genannte IPCC (Intergovernmental Panel on Climate Change) im Oktober 2018 in einem Bericht zum 1,5-Grad-Ziel.

Durch das in Katowice vereinbarte Regelwerk zum Pariser Abkommen sollen Staaten künftig unter Druck geraten, wenn öffentlich sichtbar wird, dass sie zu wenig zum Klimaschutz beitragen. Der Abschluss des Regelwerks gilt ihnen auch als Beleg dafür, dass sich internationale Vereinbarungen noch erfolgreich abschließen lassen.

Wie geht es weiter?
Für September 2019 haben die Vereinten Nationen zu einem Sondergipfel in New York eingeladen. Die Vertragsstaaten sollen sich dann höhere Ziele setzen, um die Klimaschutzlücken zum Zwei- und zum 1,5-Grad-Ziel doch noch zu schließen. Noch offen sind außerdem internationale Vereinbarungen zu einem internationalen Handel mit CO2-Rechten oder die langfristige Finanzierung eines Hilfsfonds für Entwicklungsländer.

Vielleicht am wichtigsten sind aber Beschlüsse der einzelnen Staaten für konkrete Klimaschutzmaßnahmen. In Deutschland soll 2019 ein eigenes Klimaschutzgesetz erarbeitet werden. Außerdem steht das erste Maßnahmenprogramm zum Klimaschutzplan 2050 bevor. Er soll für verschiedene Lebensbereiche von der Industrie bis zur Landwirtschaft konkrete Schritte benennen, um das Zwischenziel für das Jahr 2030 zu erreichen.

Mehr Infos:
Ergebnisdokumente der Weltklimakonferenz COP 24 in Katowice (Englisch)
Übersicht zur Internationalen Klimapolitik des Bundesumweltministeriums
Rolle der Europäischen Union in internationalen Klimaschutzverhandlungen
Bericht zu Katowice der Süddeutschen Zeitung
Analyse des Wuppertal Instituts zu Katowice als PDF
Berichte des Weltklimarats IPCC (Englisch)
Informationen zum Klimaschutzplan 2050