Für den Erfolg der Energiewende spielen innovative Technologien und Geschäftsmodelle eine wesentliche Rolle. Das bestätigte die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) kürzlich bei der Übergabe ihres Jahresgutachtens 2019 an Bundeskanzlerin Angela Merkel. Innovationen wie virtuelle Kraftwerke und Smart Grid-Technologien kämen derzeit allerdings nicht voll zum Einsatz, erklärten die Wissenschaftler. Deshalb sei es nötig, Steuern und Abgaben für Energieträger wie Öl und Gas stärker an ihrem Beitrag zum Klimawandel auszurichten. Als Grundlage schlagen die EFI-Experten wie inzwischen viele andere Wissenschaftler eine Orientierung am Ausstoß von Kohlendioxid vor. „Aus der unzureichenden CO2-Bepreisung von Energieträgern entsteht ein Wettbewerbsnachteil für die Nutzung klimafreundlicher innovativer Technologien und Geschäftsmodelle“, sagte Christoph Böhringer von der Universität Oldenburg und Mitglied der Expertenkommission.

Die Idee dahinter: Wenn klimaschädliche Technologien teurer werden, haben Unternehmen einen Anreiz, in klimaschonende Technologien zu investieren. Sollten sich in einigen Fällen Mehrkosten für höhere Benzin und Heizpreise ergeben, könnten sie an die Verbraucher zurückerstattet werden, bis klimaschonende Innovationen wie z.B. Elektroautos durch den technischen Fortschritt preiswerter geworden sind.

Fördern möchte die Expertenkommission insbesondere auch Technologien für ein flexibleres Energiesystem. „Es fehlen Preissignale für eine effiziente Flexibilisierung von Stromangebot und -nachfrage“, schreiben sie in ihrem Gutachten. Innovative Technologien wie dezentrale Speicher und die flexible Nutzung von Strom für Fahrzeuge und Heizungen würden sich deshalb wirtschaftlich nur unzureichend rechnen und in ihrer Verbreitung gehemmt.

Die Experten schlagen deshalb vor, einen wichtigen Bestandteil der Strompreise zu reformieren, die sogenannten Netzentgelte. Bisher sind die Netzentgelte weitgehend unflexibel. Zeitlich gibt es oft nur eine grobe Unterteilung in eine Haupt- und eine Nebenzeit. Räumlich unterscheiden sich die Netzentgelte zwar stark, die Unterschiede beruhen aber vor allem auf langfristigen Faktoren wie der Bevölkerungsentwicklung und dem Investitionsbedarf in unterschiedlich alte Leitungen.

Damit sich die Vorteile von Flexibilisierungstechnologien rechneten, müssten sich die Netzentgelte künftig stärker an den tatsächlichen Kosten der Nutzung des Stromnetzes orientieren, schlagen die Experten vor. Die Netzentgelte würden sich dann zum Beispiel im Verlauf eines Tages häufiger ändern, je nachdem ob es regional beispielsweise gerade ein Über- oder Unterangebot an Strom gibt. Anstatt höhere Netzebenen für den Ausgleich zu nutzen oder Ökostrom gegen eine Entschädigung abzuregeln, würde es sich dann lohnen, einen Ausgleich mit regionalen Speichern oder flexiblen Stromverbrauchern herzustellen.

Das wichtigste Argument für diese Lösung ist laut den Experten, dass Flexibilisierungsoptionen im Stromsektor gesamtwirtschaftliche Vorteile hätten. So hätten die Betreiber von Verteilnetzen im Jahr 2016 allein 370 Millionen Euro an Entschädigungen ausgeben müssen, um durch das Abregeln von Ökostrom-Anlagen die Netze zu stabilisieren. Der Bedarf für solche Ausgleichsmaßnahmen könnte sinken, wenn Strom flexibler genutzt und eingespeist würde.

Weitere Infos:
SWM – Intelligente Wärme
Jahresgutachten der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI)