Mit Sonnenenergie selbst Ökostrom erzeugen können auch Mieter, die kein Eigenheim mit entsprechenden Dachflächen haben. Steckerfertige Photovoltaik-Anlagen lassen sich einfach an Balkonen anbringen. Birgit Groh ist Energieberaterin bei der Karlsruher Energie- und Klimaschutzagentur (KEK) und hat auf ihrer Terrasse daheim selbst ein Modul aufgestellt. Im Interview erklärt sie, was es beim Kauf und beim Anschluss zu beachten gibt.

Frau Groh, wie sind Sie darauf gekommen, sich ein Solarmodul für die eigene Terrasse anzuschaffen?

Durch meinen Beruf als Energieberaterin habe ich natürlich schon eine hohe Affinität zum Thema Photovoltaik. Davon abgesehen wollten wir bei uns zu Hause einfach selbst Solarstrom erzeugen. Uns ging es weniger darum, dass es sich finanziell unbedingt rechnen muss, sondern um das Gefühl, etwas fürs Klima zu tun. Ich bin insofern im Vorteil, als dass wir in unserem eigenen Haus wohnen und daher selbst entscheiden können. Allerdings ist unser Hausdach wegen der Statik nicht für eine PV-Anlage geeignet. Unser Haus wurde in den Nachkriegsjahren gebaut und die Statik des Daches haben wir schon durch eine energetische Dämmung ausgereizt. Deshalb wollten wir zumindest ein kleines Modul auf unserer Terrasse haben.

Welche Terrassen und Balkone sind für Photovoltaik geeignet?

Grundsätzlich sollte die Fassade möglichst nach Süden ausgerichtet sein, Ost- und Westrichtung sind auch gut geeignet. Nur an Nordbalkonen würde ich kein Modul anbringen, weil dann die Sonnenstrahlung zu schwach ist. Für meine Terrasse konnte ich einfach einen Ständer für das Modul verwenden. Für Außenwand und Balkonbrüstung gibt es Lösungen zur Befestigung, die Halterungen werden angeklemmt oder verschraubt. Wichtig ist, dass sie auch bei Sturm sicher halten, damit das Modul nicht herunterfallen kann. Mieter müssen für dauerhafte Befestigungen natürlich auch ihren Vermieter um Erlaubnis fragen. Das kann auch für die Eigentümerversammlung bei Wohnungseigentümergemeinschaften gelten, wenn die Balkonbrüstungen zum Gemeinschaftseigentum gehören.

Wie viel Strom erzeugen Balkonmodule und warum heißen sie „steckerfertig“?

Typische Balkonmodule liefern bei vollem Sonnenschein bis zu 600 Watt. Damit erzeugen sie schon mehr Strom, als ein PC oder ein Kühl- und Gefrierschrank pro Tag benötigen. Was man sonst an Strom braucht, kommt natürlich weiter vom Energieversorger. „Steckerfertig“ heißen die Module, weil ich sie über ein mitgeliefertes Kabel ganz einfach an eine Außensteckdose1 auf dem Balkon anschließen kann. Der Strom wird dann in den Stromkreis meiner Wohnung eingespeist, wo ich ihn selbst verbrauchen kann.

Sind spezielle Steckdosen nötig?

Meine Terrasse hatte schon eine Schutzkontakt-Steckdose, die ich für mein Modul verwenden konnte1. Hat man an der Fassade noch keine Schuko-Dose, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie, eine spezielle Energiesteckdose einbauen zu lassen – natürlich von einer Elektrofachkraft. Die Normen des Elektrotechnik-Verbandes VDE und einige Netzbetreiber verlangen solch eine Energiesteckvorrichtung oder einen festen Anschluss. Zudem ist es wichtig, dass der Wechselrichter abschaltet, wenn der Strom ausfällt und nicht weiter Spannung anliegt. In jedem Fall sollte man darauf achten, dass die Außensteckdose an einem eigenen Stromkreis mit separater Sicherung hängt. Für den Anschluss sollte man auch keine Mehrfachsteckdose verwenden oder noch andere große Geräte an den gleichen Stromkreis anschließen, was in der Praxis aber ohnehin kaum vorkommen dürfte.

Müssen Balkonmodule wie große Solaranlagen angemeldet werden?

Ja, auch kleine Solaranlagen muss man beim Netzbetreiber und der Bundesnetzagentur anmelden. Meinem Netzbetreiber habe ich dafür einfach eine Mail geschickt und ihm mitgeteilt, dass ich jetzt ein Balkonmodul habe2. Der Netzbetreiber hat darauf unseren alten Ferraris-Zähler mit Drehscheibe gegen einen digitalen Zähler ausgetauscht. Der verfügt über eine Rücklaufsperre, sodass der Zähler durch die Stromeinspeisung nicht rückwärts laufen kann3. Der Netzbetreiber hat mich außerdem gebeten, die Bestätigung der Bundesnetzagentur einzureichen. Bei der Bundesnetzagentur läuft die Anmeldung mit einigen Klicks über ein Online-Portal.

Wie viel kostet eine steckerfertige Solaranlage?

Ein Modul mit Wechselrichter und Stecker ist für 300 bis 600 Euro zu haben. Einen Zähler muss der Netzbetreiber kostenlos4 wechseln. Falls man keine Außensteckdose hat und eine Energiesteckdose installieren lässt, berechnet der Elektriker 100 bis 200 Euro.

Welche Kriterien sind beim Kauf eines Moduls wichtig?

In der Bauart sind sich die Module recht ähnlich. Je günstiger eine Anlage ist, desto schneller amortisiert sie sich natürlich. Ich habe darauf geachtet, dass das Modul aus nachhaltiger Produktion kommt und deshalb ein in Europa gefertigtes Modul aus Österreich gekauft. Das war dementsprechend etwas teurer als ein aus Asien importiertes. Aber da kann jeder seinen eigenen Schwerpunkt setzen. Eine gewisse Rolle kann auch spielen, dass das Modul an der Fassade schick aussieht.

Lohnt sich die Vergütung, wenn der eigene Solarstrom ins Netz eingespeist wird?

Wenn gerade keine Elektrogeräte laufen, fließt der überschüssige Strom automatisch ins Netz. Wenn der Netzbetreiber einen Zähler eingebaut hat, der sowohl die verbrauchte als auch die eingespeiste Elektrizität zählt, kann man auch eine Vergütung in Anspruch nehmen. Die wichtigste Voraussetzung hat man schon mit der Anmeldung erfüllt. Wenn man ein vergleichsweise leistungsfähiges Balkonmodul mit 600 Watt hat, speist man vielleicht um die 100 Kilowattstunden im Jahr ein. Dann lassen sich noch ein paar Euro als Einspeisevergütung5 mitnehmen. In erster Linie sind Balkonmodule aber dafür gedacht, möglichst viel vom selbst erzeugten Strom auch selbst zu verbrauchen – so muss man weniger Kilowattstunden von seinem Versorger beziehen.

Wie kann ich denn möglichst viel Solarstrom selbst nutzen?

Ich kann meinen Stromverbrauch ein bisschen am Wetter und an der Tageszeit orientieren. Meine Waschmaschine und Spülmaschine lasse ich bevorzugt in der Mittagszeit laufen, wenn es sonnig ist.

 

 

Anmerkungen der Redaktion:

1Auch die Verbraucherzentrale hält den Anschluss über eine fest installierte Schuko-Steckdose für zulässig. Allerdings muss laut den Normen des Verbands der Elektrotechnik, Elektronik und Informationstechnik e.V. (VDE) der Anschluss einer steckerfertigen Mini-PV-Anlage immer entweder fest oder über eine Energiesteckdose erfolgen. Laut Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg liegt Rechtssicherheit nur vor, wenn die Normen des VDE eingehalten werden.

2Um die Anmeldung zu erleichtern und sich Wartezeiten zu ersparen, wird empfohlen sich schon vor dem Kauf der Anlage beim Netzbetreiber darüber zu informieren, welche Formulare für die Anmeldung ausgefüllt und eingereicht werden müssen. Zudem machen manche Netzbetreiber auch konkrete Vorgaben zur Anlagenbeschaffung.

3Laut der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) sind Einrichtungszähler mit Rücklaufsperre für Anlagen bis 800 W zulässig. Der VDE und das Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg schreiben jedoch einen Zweirichtungszähler vor, da auch kleine Strommengen, welche ins Netz eingespeist werden, erfasst werden müssen. Keinesfalls dürfen Einrichtungszähler ohne Rücklaufsperre verwendet werden.

4Eine Kostenübernahme des Netzbetreibers kann nicht gewährleistet werden. Es wird empfohlen, sich im Vorhinein beim Netzbetreiber darüber zu informieren, wer die Kosten des Zählerwechsels tragen muss.

5Wer eine Einspeisevergütung in Anspruch nehmen will, muss u. a. sicherstellen, dass die Einspeisung auf 70 % der installierten Leistung begrenzt ist. Außerdem ist bei einer Einspeisung die Nutzung eines Zweirichtungszählers Pflicht.

 

 

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