Straßen als Stromlieferanten?

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Straßen als Stromlieferanten?

Visionäre Firmen planen, Straßen mit Solarzellen zu bepflastern und so „grünen“ Strom zu erzeugen. Allerdings stehen diesem Ziel derzeit noch einige Herausforderungen gegenüber.

Nicht nur bei Elektroautos und anderen Fahrzeugen gibt es die Idee, sie mit Solarzellen auszurüsten. Manche Visionäre überlegen, die Straßen selbst damit zu bepflastern. In Deutschland gibt es bereits die erste derartige „Solarstraße“. Sie ist 90 Meter lang und befindet sich in Erftstadt etwa 20 km südwestlich von Köln. Auf etwa 200 Quadratmetern wurden dort 150 Solarmodule auf den normalen Straßenbelag aufgeklebt. Sie erzeugen bis zu 16.000 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Jahr. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt verbraucht jährlich etwa 3.500 kWh. Laut Schätzung des Unternehmens ließen sich mit einem Kilometer „Solarstraße“ rund 150 deutsche Haushalte versorgen. Die Solarzellen sind mit einem speziellen Glas beschichtet. Dieses entspricht der sogenannten „Belastungklasse 1.0“ für Straßen. Das heißt, es kann zumindest auch kleinere LKWs tragen. Entwickelt wurde die „Solarstraße“ von einer Berliner Firma gemeinsam mit zwei Fraunhofer-Instituten sowie der RWTH Aachen, der Universität Bayreuth und dem Forschungszentrum Jülich.

In den USA hat eine Firma Solarzellen aus Spezialglas entwickelt, das besonders widerstandsfähig und robust ist. Es verkraftet eine Gewicht von rund 113 Tonnen, was selbst für große Lastautos reichen sollte. Laut dem Statistikdienst Statista hat das US-amerikanische Straßennetz eine Gesamtlänge von rund 6,6 Millionen Kilometern. Das entspricht etwa der zehnfachen Länge des deutschen Straßennetzes. Würden zwei Drittel davon mit den Solarzellen der Firma bepflastert, ließen sich pro Jahr an die 16.000 Milliarden Kilowattstunden Strom erzeugen, behauptet das Unternehmen. Das würde rechnerisch genügen, um den Strombedarf der USA mehr als dreimal zu decken.

Bereits „in Betrieb“ ist auch eine Straße in Jinan, China. Hier wird neben der Gewinnung von Strom auch getestet, in wie weit sich die Straße eignet, sodass E-Autos durch das Befahren der Straße direkt wieder aufgeladen werden.

In Europa ist die Normandie in Frankreich ein Vorreiter. Dort wird seit 2016 eine rund einen Kilometer lange Solarstraße getestet. Medien berichteten indessen über Untersuchungen von Wissenschaftlern, denen zufolge sich der Erfolg in Grenzen hält: Das Glas zum Schutz der Solarzellen ist so dick, dass es deren Leistung deutlich vermindert. Außerdem ist die Oberfläche der Solarstraße oft verschmutzt und teilweise mit herab gefallenem Laub bedeckt. Auch das verringert den Ertrag. Statt der geplanten 770 Kilowattstunden (kWh) Strom pro Tag liefert die Solarstraße deshalb im Durchschnitt nur etwa die Hälfte dieser Menge, nämlich 409 kWh.

Ein weiteres Problem sind die Kosten. Sie belaufen sich auf etwa 12.000 Euro pro Kilowatt Leistung. Zum Vergleich: Bei normalen Photovoltaikanlagen kommt man mit rund 1.200 Euro aus, manchmal auch mit weniger. Solarstraßen sind also ein interessanter Ansatz, Photovoltaik großflächig zu nutzen, auch wenn noch Forschungsarbeiten und Verbesserungen notwendig sind.

Mehr Infos:
http://www.solmove.com/de/
https://www.golem.de/news/wattway-frankreichs-strassen-sollen-solarstrom-produzieren-1809-136731.html
https://smatrics.com/news/china-baut-laengste-solarstrasse-der-welt
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1856/umfrage/laenge-der-groessten-strassennetze/

2018-11-20T16:29:35+00:00

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