Der Reisemarkt boomt. Im Jahr 2018 wuchs die Zahl der Deutschen, die für mindestens fünf Tage verreist sind, so stark wie nie zuvor auf insgesamt 62 Prozent. Das ergab die jüngste Tourismusanalyse der Stiftung für Zukunftsfragen. Doch nicht erst seit den Protesten von „Fridays for Future“ fragen sich viele Menschen, wie sie trotz der Flüge in die Ferien das Klima schonen können. Der beste Schutz fürs Klima wäre es, Urlaub in der eigenen Umgebung zu machen. Ein Flug auf die Kanaren dagegen belastet das Klima nach Berechnungen der Zeitschrift Finanztest mit rund 1,9 Tonnen CO2 pro Fluggast.

Wer dennoch in die Sonne fliegen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, den Treibhausgaseffekt seiner Reise mit freiwilligen Zahlungen zu kompensieren. Doch wie berechnet man die Auswirkung seiner Urlaubsreise auf das Klima und welche Standards für Kompensationen sind zu empfehlen? Zur groben Orientierung hat das Umweltbundesamt den Treibhausgasausstoß pro Personenkilometer errechnet. Er gibt an, wie viele Klimagase durchschnittlich ausgelastete Verkehrsmittel pro Person und gefahrenem Kilometer emittieren. Reisebusse und die Bahn schneiden in dieser CO2-Bilanz mit 32 beziehungsweise 36 Gramm Kohlendioxid pro Personenkilometer am günstigsten ab. Bei einem Pkw mit durchschnittlich 1,5 Insassen sind es schon 139 Gramm, in einem Flieger sogar satte 201 Gramm.

Komfortable CO2-Rechner für individuelle Flugrouten gibt es auf den Internetseiten von Kompensationsanbietern und oft auch schon in Buchungsportalen. Allerdings gibt es gerade bei den Zahlen zum Treibhauseffekt von Flügen große Unterschiede. Das liegt daran, dass im Flugverkehr viele unterschiedliche Klimaeffekte zusammenkommen. Einen fast genau so großen Einfluss wie der reine CO2-Ausstoß hat laut dem Umweltbundesamt etwa die Bindung von Ozon durch die Stickoxid-Emissionen der Flugzeuge. Auch Kondensstreifen und verschiedene andere Faktoren wie die Veränderung bestimmter Wolken wirken erwärmend. Die Lufthansa gibt an, dass sie in ihrem Rechner nur den Treibhauseffekt des Kohlendioxids einbezieht, weil in der Wissenschaft nur darüber eindeutige Gewissheit bestehe. Im Gegensatz dazu erklärt Atmosfair, auch andere Effekte mit einem gewissen Faktor einzubeziehen.

Finanztest hat im Februar 2018 verschiedene Anbieter von CO2-Kompensationen getestet. Die Preise lagen zwischen 15 und 23 Euro pro Tonne CO2. Mit „sehr gut“ schnitten drei Unternehmen ab: Atmosfair, Klima-Kollekte und Primaklima. Ein „gut“ gab es für Myclimate. Bewertet wurden beispielsweise die Transparenz der Anbieter und vor allem die Qualität der Kompensation. Am besten bewertet wurden Zertifikate, die dem „Gold Standard“ entsprechen. Diese Organisation wurde vom WWF und anderen Umweltverbänden gegründet. Die geförderten Projekte zeichnen sich dadurch aus, dass nicht nur Treibhausgase eingespart
werden, sondern Mensch und Natur im Sinne der nachhaltigen Entwicklung profitieren.

Atmosfair
Klima-Kollekte
Primaklima
myclimate

Durch die Zertifikate kann man beispielsweise ein Wiederaufforstungsprojekt in Äthiopien unterstützen, durch das vor Ort 2.000 Arbeitsplätze geschaffen wurden und das die Böden vor Erosion schützt. Primaklima unterstützt ausschließlich Projekte zum Thema Wald. Andere Möglichkeiten sind beispielsweise effiziente Öfen, die Brennholz zum Kochen sparen, oder der Bau von Solar- und Windenergieanlagen.

Weitere Infos:
Finanztest zu Kompensationsanbietern
Broschüre des Umweltbundesamtes zu freiwilliger CO2-Kompensation
Projekte von Gold Standard
Erklärung zum Treibhausgaseffekt
Fridays for Future