Mit dem Ausstieg aus der Kohle- und Atomenergie übernehmen erneuerbare Energien wie Windkraft- und Solaranlagen Aufgaben für das Energiesystem, die bisher konventionelle Kraftwerke erledigt haben. Dazu zählt die Bereitstellung von Regelenergie, um das Stromnetz zu stabilisieren. Eine naheliegende Idee ist es deshalb, viele kleine dezentrale Anlagen wie ein einzelnes Großkraftwerk zu steuern. Nach diesem Prinzip funktionieren virtuelle Kraftwerke.

Der C/sells-Partner Next Kraftwerke betreibt eines der größten virtuellen Kraftwerke in Europa. Im „Next Pool“ vernetzt das Unternehmen kleine und mittelgroße Energieproduzenten, Energiespeicher und Energieverbraucher und fasst deren Leistung so zusammen. Das aus rund 6.800 Anlagen bestehende virtuelle Kraftwerk kommt auf eine Leistung von insgesamt 6.000 Megawatt und ist dadurch sogar so leistungsfähig wie mehrere große fossile Kraftwerke zusammen.

Zu den Anlagen gehören zum Beispiel Biogas-, Windkraft-, Photovoltaik-, KWK- oder Wasserkraftanlagen. Mit der Zustimmung der Betreiber kann Next Kraftwerke die Anlagen zentral steuern – eben wie ein einzelnes Kraftwerk. Im Rahmen von C/sells erstellt das Unternehmen ein Flexibilitätskataster, in dem alle Anlagen im C/sells-Gebiet erfasst werden, die flexibel Strom erzeugen oder Strom verbrauchen können. Langfristig soll eine Art Energie-Internet entstehen, in dem sich alle teilnehmenden Anbieter und Nachfrager von Flexibilität registrieren können.

In einem weiteren Schritt tauschen die Teilnehmer Informationen darüber aus, wie viel flexible Leistung sie wann zur Verfügung stellen können oder in Anspruch nehmen möchten. Ziel dabei ist es, das Stromnetz zu stabilisieren. Ein Beispiel: In einem Abschnitt eines Verteilnetzes wird eine Überlastung angezeigt, es wird also zu viel oder zu wenig Strom erzeugt. Bei zu viel Strom wird beispielsweise dem Betreiber einer Photovoltaik-Anlage eine Prämie gezahlt, damit er vorübergehend weniger Strom ins Netz einspeist. Die Prämie ist dabei natürlich höher, als der Verlust, der dem Anlagenbetreiber für kurze Zeit entsteht. Die technische Voraussetzung für virtuelle Kraftwerke ist intelligente Informations- und Kommunikationstechnologie. Die Anlagen werden deshalb durch eine Box (‚Smart Meter‚) vernetzt, die deren Daten verschlüsselt über eine speziell abgesicherte Mobilfunk-Verbindung an ein Leitsystem sendet. Aber auch in die andere Richtung werden Daten übermittelt: Die Box steuert das Hoch- und Runterfahren von Anlagen zur Erzeugung von Strom. Dabei berücksichtig ein Algorithmus individuell, ob ein Anlagenbetreiber seine Flexibilität nur zu bestimmten Zeiten vermarkten möchte, weil er in anderen Zeitfenstern auf die Leistung seiner Anlage angewiesen ist.

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Next Kraftwerke
Wien funktioniert ein virtuelles Kraftwerk?
Ein Virtuelles Kraftwerk aus Erneuerbaren Energien