Mit der Energiewende erzeugen immer mehr Bürger selbst Strom – häufig mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach ihres Hauses. Sie werden zum Prosumenten, der nicht nur Elektrizität konsumiert, sondern auch selbst produziert. Viele nutzen bereits die Kombination aus PV-Anlage und einer Lithium-Ionen-Batterie. Darin speichern sie Strom aus den Solarmodulen ein, wenn sie ihn gerade nicht brauchen, und können ihn später nutzen. So decken sie den größten Teil ihres Stromverbrauchs selbst und sind flexibler als bisher. Mit dieser Flexibilität können sie einen aktiven Beitrag zur Optimierung der Stromnetze leisten und dabei helfen, das Energiesystem der Zukunft aufzubauen. Genau das geschieht aktuell bei ReFLEX – dem Regioflexmarkt Dillenburg.

Im Rahmen es Projektex C/sells bietet die Stadt im hessischen Lahn-Dill-Kreis mit ReFLEX Bürgern mit eigener PV-Anlage und Batteriespeicher die Möglichkeit, sogenannte Netzengpässe in der Region zu verhindern und von der Energiewende finanziell zu profitieren. Das funktioniert so: Mit der Energiewende werden große Kohle- und Atomkraftwerke durch erneuerbare Energien ersetzt. Gibt es in einer Region sehr viele PV-Anlagen, produzieren diese in manchen Stunden eines Tages mehr Strom, als die Menschen vor Ort zu dieser Zeit verbrauchen können – beispielsweise weil sie tagsüber im Büro sind und zu Hause keine großen Elektrogeräte laufen. Der regenerativ erzeugte Strom wird dann durch das Stromnetz in weiter entfernte Regionen transportiert, wo er aktuell Abnehmer findet.

Nun kommen die Batterien ins Spiel: Würden in einer Region immer mehr Anlagen zur Stromerzeugung ohne Speicher errichtet, müsste irgendwann das Stromnetz ausgebaut werden, um die erzeugte Energie abzutransportieren. Die Kombination mit Batterien sorgt nun dafür, dass ein größerer Anteil der erzeugten Elektrizität vor Ort verwendet werden kann. So kommt es zu keinen Engpässen im Netz und es müssen weniger neue Leitungen gebaut werden.

Besonders groß ist dieser ausgleichende Effekt von Batterien dann, wenn sie Strom ganz gezielt zu jenen Zeiten speichern, in denen Engpässe drohen. Um diese Zeiten zu bestimmen, müssen beim Betreiber des Stromnetzes jederzeit Informationen über Stromerzeugung und Verbrauch zusammenfließen.

Im Projekt ReFLEX stattet der Netzbetreiber EnergieNetz Mitte (ENM) teilnehmende Haushalte und Gewerbebetriebe deshalb mit einem intelligenten Messsystemen aus. Dazu gehört auch eine Kommunikationseinrichtung, das sogenannte Gateway. Nach Freigabe durch die Teilnehmer werden Speicher genau dann mit Strom aus PV-Anlagen befüllt, wenn es für das Netz besonders günstig ist. Dafür erhalten die beteiligten Haushalte und Betriebe eine Vergütung, es entsteht ein regionaler Markt für Flexiblität.

Die Zahlungen aus dem Regioflexmarkt ReFLEX sind aber nur ein Grund, warum sich Speicher für ihre Besitzer langfristig auszahlen. Weil dank der Batterien mehr Strom aus der PV-Anlage verbraucht werden kann, muss weniger Strom aus dem Netz bezogen werden. Die Eigentümer sparen sich dadurch den höheren Preis für eine Kilowattstunde eines üblichen Stromtarifs. Noch schneller rentiert sich der Batteriespeicher schließlich durch die Förderung von bis zu 2.500 Euro. Der Energieversorger EAM stellt für ReFLEX förderfähige Speicherlösungen zur Verfügung. Es dürfen jedoch auch andere Systeme verwendet werden, wenn sie die Förderbestimmungen erfüllen.

Wer am Projekt ReFLEX teilnehmen möchte, erhält hier weitere Informationen.

Mehr Infos:
Infoblatt zu solarem Eigenverbrauch mit Batterien vom Bundesverband Energiespeicher
Informationsfilm zum Stromnetz der Zukunft der Deutschen Akademie der Technikwissenschaften
Fragen und Antworten zu intelligenten Messsystemen des Bundeswirtschaftsministeriums
Welche Arten von Speichermöglichkeiten gibt es?