Mit dem Forschungsprojekt „Intelligente Wärme München“ werden elektrische Speicherheizungen zu Bausteinen der Energiewende. Ist reichlich Grünstrom aus Wind- oder Solaranlagen vorhanden, wird er in Wärme umgewandelt und so in den Elektro-Öfen gespeichert. 500 Haushalte beteiligen sich an diesem Innovationsprojekt der Stadtwerke München (SWM). Einer von ihnen ist Uwe Kerscher, der in einer Mietwohnung der Genossenschaft GEWOFAG lebt. Im Interview berichtet der 59-Jährige davon, wie die intelligente Steuerung seiner Heizung das Wohnklima verbessert hat.

Herr Kerscher, Nachtspeicherheizungen wurden vor allem bis in die 1970er-Jahre in vielen Wohnhäusern eingebaut. Nachts war Strom aus konventionellen Kraftwerken billig. Wie funktioniert diese Art zu heizen?

Bevor unsere Heizung digitale Technik bekommen hat, wurden die Heizkörper nachts geladen. Zwischen ein und drei Uhr gab es ein Signal und dann floss der Strom. Dadurch hatten wir in der Früh einen warmen Ofen, oft war es dann in der Wohnung sogar etwas zu warm. Tagsüber ist kein Strom mehr nachgeflossen und die Heizkörper haben ihre gesamte Wärme an die Räume abgegeben. Bis zum Abend waren die Speicher leer. Wenn wir von der Arbeit heimgekommen sind, war die Wohnung kühl.

Was hat sich durch das Projekt „Intelligente Wärme München“ geändert?
Der Strom fließt jetzt auch tagsüber, wenn zum Beispiel viele Photovoltaik-Anlagen laufen. Die Energie wird nicht mehr nur in der Nacht gepuffert und wir können die Wärme länger abrufen. Wir haben jetzt die gleiche Wärme wie bei einer Zentralheizung. Das Wohnklima hat sich für uns verbessert, wir sind sehr zufrieden.

Durch welche Technik wurden diese Verbesserungen erreicht?
Im Keller wurde für unsere Wohnung im Mai 2018 ein neues Steuergerät eingebaut. Das funktioniert jetzt nicht mehr mit der alten Funktechnik, sondern digital und über das Internet. Darüber bekommt unsere Heizung jetzt häufiger ein Signal zum Aufladen. Am Computer stelle ich jetzt ein, welche Temperatur ich in der Wohnung haben will.

Mit der alten Technik gab es keine Möglichkeit, die Temperatur zu verändern?
In unserer Wohnung hatten wir schon ein kleines Steuergerät an der Wand. Das hat einem aber wenig genutzt. Wenn die Speicherheizung leer war, ist ja keine Wärme mehr herausgekommen. Deshalb haben wir früher auch die Lüfter nicht genutzt, mit denen die Wärme aus dem Heizkörper schneller in den Raum gebracht werden soll. Jetzt funktioniert das wunderbar. Wenn wir abends nach Hause kommen, schalten wir die Lüfter ein und zur Schlafenszeit schalten wir sie wieder aus. Das geht jetzt, weil die neue Steuerung schon tagsüber Wärme nachgeladen hat.

Nutzen Sie noch andere Möglichkeiten der digitalen Steuerung?
Als wir in Urlaub gefahren sind, habe ich die Heizung auf Urlaubsbetrieb geschaltet und als wir wieder heimgekommen sind, habe ich die Regelung wieder umgestellt. Die Nachtabsenkung nutzen wir persönlich nicht. Was sich noch verbessert hat, sind die Heizkörper. Im Oktober 2019 haben wir zwei neue bekommen. Die modernen Öfen halten die Wärme ganz anders, die sind besser isoliert. Sie geben die Wärme viel gleichmäßiger ab und sind an der Oberfläche auch nicht mehr so heiß, wenn man mal dranfasst. Insgesamt finde ich die neue Heizung eine tolle Sache.

 

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